Die Besenwirtschaften

Heute haben so gut wie alle “Besen” eine offizielle Schankerlaubnis, zahlen Steuern und werden auf Hygiene kontrolliert, wie jede Pommesbude oder jedes Restaurant. In der Küche werkeln inzwischen Profi-Köche und kochen von der einfachen Schlachtplatte bis zu Spargel und feinen Wildgerichten alles was das Herz begehrt. Es soll sogar “Besen” geben die Bier ausschenken! Wenn man den Ruf “Hugo” hört, ist nicht der Nachbar aus Binswangen gemeint, sondern ein Modegetränk, das nichts mehr mit der früheren Weinkultur zu tun hat. Manche Wengerter sind inzwischen so durch die Produktion von Wein ausgelastet, daß sie ihre Räumlichkeiten verpachten müssen und den Betrieb des “Besens” anderen überlassen. Angeschlossene Pensionen oder vornehme Hotels in ehemaligen Bahnhöfen erweitern das Angebot. Was wohl der Kaiser dazu sagen würde?
Um das Überleben der verarmten Weinbauern zu sichern erließ Kaiser Karl der Große im Jahre 812 ein Gesetz, das diesen den Ausschank ihrer selbst erzeugten Weine, ohne offizielles Schankrecht und Abgaben, erlaubte. Die Zahl der Sitzplätze war ebenso beschränkt, wie die Öffnungsdauer. Mehrmals im Jahr wurden für einige Tage die Wohn- und Schlafräume ausgeräumt und einfache Sitzgelegenheiten an schmalen Tischen geschaffen. Die erlaubten Gerichte zu den Weinen waren das, was der Wengerter selbst in seiner Not verzehrte: Brot, Backsteinkäse ohne Butter, hausgemachte Wurst und Sauerkraut. Zum Kloh gings manchmal über den Hof, ins Häuschen. Das Erkennungmal für geöffnete “Besen” waren damals (und sind bis heute) Reisigbesen die über der Eingangstür aufgehängt wurden.
Manche „Besen“ schmücken sich inzwischen sogar mit einem Gütesiegel das vom Weininstitut Württemberg verliehen wird. Welche Kriterien zur Verleihung auschlaggebend sind, erschließt sich dem Weinzahn nicht immer.
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